Essay über Jüdische Mode
Essay über Jüdische Mode (1890 – 1930)
Hast Du Glück, so begegnet dir eine der berühmten Frauen in Person, die man durch das Medium der Kunst zu schauen gewohnt ist, eine jener reichen und schönen Damen von künstlich hergestelltem tizianischen Blond und im Brillantenschmuck, deren betörenden Zügen durch die Hand eines genialen Portraitisten die Ewigkeit zuteil geworden ist, .... und von deren Liebesleben die Stadt spricht, – Königinnen der Künstlerfeste im Karneval, ein wenig geschminkt, ein wenig gemalt, voll einer edlen Pikanterie, gefallsüchtig und anbetungswürdig.
Thomas Mann, Gladius Die
Fast scheint es, als ob sich Julia Nowak-Katz und Dmitri Katz von diesem Text Thomas Mann’s für ihre poetischen Fotomontagen rund um fünf Kleider aus jüdischen Modehäusern haben inspirieren lassen.
Seit 2002 sind die beiden Künstler in Berlin und haben nach einem Weg gesucht sich mit ihren künstlerischen Mitteln den letzten Zeugen blühenden jüdischen Modeschaffens hier in Berlin – anhand den wenigen erhaltenen Kleidern aus der Sammlung des Stadtmuseums – zu nähern.
Fasziniert von der Vorstellung den Kostümen sozusagen wieder Leben einzuhauchen und ihnen einen historischen Kontext zurückzugeben, habe ich drei Modellkleider aus dem Hause Gerson und zwei Modelle aus dem Hause Wertheim für dieses Fotoprojekt zur Verfügung gestellt.
Zunächst hat Julia Nowak-Katz die Kostüme hier im Haus mit einer Agfa Kamera 6×7 aus den 30er Jahren fotografiert und in einem zweiten Arbeitsschritt dazu passende Hintergründe bzw. Ambiente aufgenommen. In einem dritten Schritt wurden vom Typ geeignete Models gestylt und fotografiert und diese Bausteine von Dmitri Katz, dem Fotocomposer, zusammengesetzt.
Das Ergebnis sind vielschichtige Aufnahmen historischer Modelle, die irritierend modern präsentiert werden. Fotos, die den Betrachter zu einer Zeitreise einladen und verführen der Vergangenheit dieser Kleider und Roben nachzuspüren.
Text von Christina Waidenschlager, Museum Ephraim-Palais, Berlin



