The Adventures of Mandy
starring Annika Stieber-Damaschke
“The adventures of Mandy” present a day in the life of a comic heroine, as she struggles with loss of childhood, love and belonging. Mandy retreats into a dollhouse world filled with nostalgic and decaying toys, where she dramatizes her inner conflict between personal fulfillment and socially defined female values. While she is a victim in her internalizing of societal pressures, she is also triumphant in her individualism and acts of personal bravery. The series explores the contradictions of the roles people play as they find their place in life.
“The adventures of Mandy” was exhibited in Berlin at Zwischenraum from March 12th through March 14th 2010.
Mandy – eine Kunstfigur?
Sexualität, Sinnlichkeit, Begehren, das inszenierte Geschlecht – das sind Themen der Psychologie, der Geschlechterdifferenz und der Geschlechterpolitik. Der (früh-)kindliche, weibliche Traum nach erfüllter und autonomer Sexualität, nach der werdenden Frau im Kind, nach der sinnlich autarken Frau ist bei Mandy zuvorderst in die Künstlichkeit einer Plastikwelt versetzt. Mit einer an Barbieland erinnernden Welt wird das mögliche Erfahrungsfeld erster sinnlicher Entdeckungen als Spielplatz markiert. So lebt das kindlichweibliche Geschlecht Mandys in einer Kunstwelt. Problemlos demontiert es so tradierte Frauenbilder, spielt mit herkömmlichen Rollenmustern und umschifft das Generieren und Propagieren der Frau als Lustobjekt.
Mit der femininen Kunstfigur Mandy entsteht ein Selbstbild weiblichen Begehrens. Es rebelliert gegen das Korsett der domestizierten Frau und verscheucht das Reglement der Fruchtbarkeit. Die Proportionen der häuslichen Gegenstände im Verhältnis zu Mandys Präsenz sind ein Wink dafür, dass Mandy über das Stadium kindlicher Libido hinaus gewaschen ist. Ihr Dornröschenschlaf erweckt die Frage, wovon sie träumt. Mandy zelebriert ihren Genuss und verbindet Widersprüche. Mandys Frechheit und Unverschämtheit verkünden ihre sexuelle Souveränität. Die Verniedlichung des wirklichen Begehrens durchs Kinderzimmer hat sich erledigt. Der mechanische Spielzeuggefährte kann den fehlenden Liebhaber nicht ersetzen. Das altbackene, biedere Ambiente steht im Kontrast zur provozierenden Geste. Mandy weiß um die Theatralität der Sexualität und die Inszenierung der Geschlechter.
Fragen an die Fotokünstler Nowak+Katz
Beschäftigt Ihr Euch in Euren Arbeiten grundsätzlich mit Portraitkunst?
Wir beschäftigen uns am liebsten mit Themen, die uns in unserer heutigen Zeit umtreiben. Sei es Nostalgie, Essen, Terrorismus, Konsum oder Mandy. Unsere Bilder sind inszeniert und es gehen viele Überlegungen, Arbeit und Zeit in diese Inszenierung. Das, was wir mitteilen wollen, verpacken wir mit der Ästhetik der Werbefotografie und spielen mit der schnellen und scheinbaren Oberflächlichkeit der modernen Massenmedien.
Welche Bedeutung haben die inszenierten Environments und imaginären Landschaften in Mandys Welt?
Mandy’s Abenteuer haben einen narrativen Charakter – die 7 Bilder beschreiben einen Tag in Mandy’s Leben. Der Stummfilm ist eine Ergänzung in Episoden, die Mandy noch von einer anderen Seite zeigen. Der Film ist wie ein Essay, weitere Aspekte, Mandy’s Beweggründe und Charakter zu erkunden.
Mandy’s Existenz im rosa Puppenhaus ist ein Blick nach innen, sie zieht sich dort zurück. Es sind ihre Träume, vermischt mit nostalgischen Erinnerungen – Oma’s leckere Linsensuppe, Geburtstagstorte und Schokoriegel.
Die Hintergründe wurden wie Bühnenbilder geplant; sie sind vereinfachte sinnbildliche Szenen unseres heutigen komplexen Lebens. Die Kombination von alt und neu, bieder und grenzenlos, Stil und Kitsch sowie das Essen – sie sind ein Ausdruck, dass Gedanken nicht linear verlaufen und Erinnerungen Teil unserer Zukunft sind.
Manchmal weisen die Abenteuer Mandys auf Märchen, dann wieder erinnern sie an Kitschwelten aus Plastik, oder an Alpdrücke. Wovon träumt Mandy in ihrem Dornröschenschlaf?
Das Ei hat sich für die Serie als ein wichtiges Symbol und Ausdrucksmittel entwickelt. Das Zeichen für Fruchtbarkeit, neuem Leben, Unschuld. Mandy braucht es zum Leben, es ist ihr kostbar, aber sie isst es auch, wenn sie Hunger hat, spielt damit, ja zerstört es mit ihrem Fuß. Vielleicht steht es für den versteckten Pragmatismus den viele Frauen in sich tragen und einsetzen, wenn sie es müssen. Aber es steht auch für die Entscheidung über die eigene Fruchtbarkeit und deren Vergänglichkeit.
Sind die Fotografien Fragmente ein und desselben Traumes?Für uns sind die Fotografien und die Filmepisoden eine in sich Sinn machende geschlossene Einheit. Diese Einheit kann ein Traum sein, Illusion, Erinnerungen verknüpft mit sozial- und geschlechtskritischen Aspekten.
Betrachter assoziieren sehr unterschiedlich; ein Mann fand die Bilderserie schrecklich deprimierend, eine Frau fing an herzlich zu lachen. Manche lehnen sofort ab, weil die Bilder Fragen aufwerfen, unangenehme Themen ansprechen oder schlechtweg zu laut, groß und bunt sind. Aber wir hoffen, dass sich viele auf Mandy einlassen. Wir wollen zum Nachdenken anregen und mit Humor unterhalten.
Was uns noch wichtig ist: Mandy’s Kittelschürze ist keine Parodie auf eine gesellschaftliche Unterschicht. Sie ist als “Uniform” der domestizierten Frau zu verstehen.
Vor einigen Jahren hielt der Satz „Chicken rules the world“ Einzug in die Popkultur. Was ist mit Blick auf Mandy an diesem „Slogan“ dran?
Mandy mag Hühner und Eier. Aber ein “Chick” ist sie deshalb nicht. Mandy hat besonders oder sogar im Putzkittel Stil. Mandy reflektiert Einflüsse aus der Popkultur und dem westeuropäischen Leben um die Jahrhundertwende aber sie regiert niemanden und muß sich niemandem verantworten – nur sich selbst.
Mandy hat keine Geschwister. Es ist aber denkbar, dass sie mit Alice im Wunderland oder Barbie eine geschwisterliche Freundschaft anfangen könnte. Was für eine Verbindung unterhält Mandy zu Alice und Barbie?
Alice und Mandy würden sich wunderbar verstehen. Beide leben in einer Traumwelt voller Unsinn (Nonsense). Nichts scheint zu sein was es ist, weil alles sein könnte, was nicht ist. Mandy hätte Barbie vor Alice kennengelernt. Barbie hätte Mandy schlecht beeinflusst, sie beiden hätten sich bald schrecklich gestritten, da Mandy ein gutes Herz hat und nicht so oberflächlich wie Barbie ist. Vielleicht hätten Mandy und Alice sich mit Pipi angefreundet.
Bei Mandy sind einige Rollenspiele, oder Rollenschichten, erkennbar: Das Häusliche, Kindliche und weiblich Erwachsene. Erzählt das etwas über die Vielschichtigkeit ihres Begehrens?
Mandy leidet, sehnt sich, freut sich, sucht Kontakt, hat verloren und nicht wieder gefunden. Es bleibt offen, ob Mandy wie im Film Freunde gefunden hat, oder ob sie wie im Hühnerkampf-Bild ihre Gedanken und Träume wie Hühner verscheucht und eigentlich allein ist.
Bei Mandy ist ihr Sinn fürs Theatralische bemerkbar. Gibt es in dieser Richtung eine Strategie weiblichen Begehrens?
Nun, man könnte es als eine Infragestellung unseres Alltags und unserer westlichen Kultur sehen. Was man tun darf oder auch nicht. Mandy setzt sich darüber hinweg, für sie ist alles neu, sie hat ihre eigenen Gesetze, mit denen sie zurecht kommen muß.
Bei den Filmepisoden wurde für uns sehr deutlich, das Mandy sich “ungehörig” verhält, und wie wichtig das für ihren Charakter ist. Das Theatralische in den Bildern ist überspitzt. Somit kann sich Mandy als Lustobjekt entziehen. Sie lockt aber lässt dann fallen.
Was hat die Kunstfigur Mandy mit Geschlechterdifferenz und Geschlechterpolitik zu tun?
Leute, die den Film gesehen haben, sagten: “Sie kann sich das erlauben, sie ist eine blonde und schöne Frau.” In den Bildern geht sie gegen dieses, manchmal hilflos machende Vorurteil und gängige Meinung an: eine schöne blonde Frau ißt gierig rohe Eier, sie ist eine nachlässige Köchin, sie will keinen Mann, der sie in ein biederen Schlafzimmer schleppen möchte sondern zieht einen Holzkasper vor – aber vielleicht ist dieser ja eine Erinnerung an einen verflossenen Liebhaber? Sie zögert nicht lange Hühner – oder Vorurteile ? – mit einer brennenden Fackel zu verjagen.
Die Kommunikation mit Bildern hat durch die modernen Massenmedien massiv zugenommen. Welchen Einfluss haben die Massenmedien auf die Kunstfigur Mandy genommen?
Mandy versucht, sich an den Regeln des zeitgenössischen Schönheitsideals zu orientieren – aber es gelingt ihr nicht so richtig. Sie trägt falsche Fingernägel und toupiert ihre Haare auf absurde Art. Ihr Make-up ist dick aufgetragen und einige Töne zu dunkel. Stilsicher kombiniert sie Korsett mit Putzkittel – eine wie sie denkt (für Männer) attraktive Kombination.










